verschwören

GrammatikVerb · reflexivverschwört sich, verschwor sich, hat sich verschworen
Nebenform veraltend verschwören · Verb · reflexivverschwört sich, verschwur sich, hat sich verschworen
Aussprache
Worttrennungver-schwö-ren
Wortzerlegungver-schwören
Wortbildung mit ›verschwören‹ als Erstglied: ↗Verschwörer · ↗Verschwörung  ·  mit ›verschwören‹ als Letztglied: ↗mitverschwören  ·  mit ›verschwören‹ als Grundform: ↗Verschworene
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 05.11.2019.
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
sich (mit jmdm. gegen etw., jmdn.) verschwörensich heimlich durch feierlichen Schwur (mit jmdm. gegen etw., jmdn.) zu gemeinsamem Vorgehen verbinden
Beispiele:
sie hatten sich verschworen, den Diktator zu stürzen
sie hatten sich gegen ihren Anführer verschworen
bildlich
Beispiel:
offenbar hat sich alles gegen uns verschworen (= uns will nichts gelingen)
2.
sich jmdm., einer Sache verschwörensich jmdm., einer Sache ganz und gar hingeben, widmen
Beispiele:
in dieser Zeit verschwor ich mich ganz dem Studium
er hatte sich der großen Aufgabe, seinem berühmten Vorbild, Lehrer fest verschworen
einer Idee, Weltanschauung verschworen sein
3.
veraltend sich verschwörensich durch einen Schwur binden, zu etw. verpflichten
Beispiele:
ich habe mich verschworen, und ich werde zu meinem Worte stehen
sich mit einem heiligen Eid, hoch und teuer verschwören, etw. gegen diese Missstände zu tun
er verschwor sich, das Geheimnis zu bewahren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwören · beschwören · verschwören · Verschwörer · Verschwörung
schwören Vb. ‘(vor Gericht feierlich) einen Eid ablegen’. Das gemeingerm., zu den j-Präsentien gehörende, stark flektierende Rechtswort ahd. swer(i)en, swerren (8. Jh.), mhd. swern, asächs. swerian, mnd. swēren, mnl. swēren, auch ‘fluchen’, nl. zweren, afries. swera, swara, aengl. swerian, engl. to swear, anord. sverja, schwed. svära (germ. *swarjan) und (ohne j-Suffix) got. swaran ist verwandt mit (schwach flektierendem) anord. svara ‘antworten, verteidigen’, svar ‘Antwort, Verteidigung’, schwed. svar ‘Antwort’, asächs. andswōr ‘Antwort’, aengl. andswaru, engl. answer. Die Herkunft ist schwierig zu beurteilen. Wenn sich griech. hermēné͞us (ἑρμηνεύς) ‘Übersetzer, Deuter, Ausleger’, lat. sermo (aus *su̯ermō-?) ‘Wechselrede, Unterhaltung, Gespräch, Vortrag’, aslaw. svarъ ‘Kampf, Streit’, russ. (derb) svára (свара), ssóra (ссора, aus *sъsora) ‘Streit, Zank, Hader’ vergleichen lassen, kann auf eine Wurzel ie. *su̯er- (auch *ser-?) ‘sprechen, reden’ zurückgegangen werden. Es bleibt offen, ob damit die Schallwurzel ie. *su̯er- ‘surren’ mit aind. svárati ‘gibt einen Ton von sich, tönt, erschallt, (be)singt’ (s. ↗Schwarm, ↗schwirren, ↗surren) identisch ist, die hier dann auf ‘sprechen, reden’ ausgedehnt wäre. Vornehmlich aus semantischen Gründen hält Seebold 482 einen Anschluß des Verbs mit beweglichem s- an die Wurzel ie. *u̯er- ‘feierlich sagen, sprechen’ (s. ↗Wort) für möglich. Die Grundbedeutung ist wohl ‘(vor Gericht) reden, aussagen’ und ‘eine Formel feierlich aussprechen’ (vgl. got. aiþis swaran ‘Eide schwören’). Bereits in früher Zeit kann schwören die Bedeutung ‘fluchen’ (noch um 1700 und bis heute z. B. im Engl.) annehmen (bedingt durch den Inhalt des feierlich Versprochenen oder das biblische Verbot, einen Schwur zu leisten?). Redensartlich Stein und Bein schwören ‘etw. fest behaupten’ (16. Jh.); zu erklären aus Stein ‘Altar’ und Bein ‘Heiligenreliquie’? beschwören Vb. ‘durch einen Schwur bekräftigen, inständig bitten, durch Zauberworte Geister und dgl. herbeirufen’, ahd. biswer(i)en, biswerren ‘flehentlich bitten’ (um 800), ‘durch Schwur bezeugen’ (9. Jh.), mhd. beswern, auch ‘mit Zaubersprüchen rufen oder bannen’. verschwören Vb. ‘sich gegen jmdn. mit jmdm. verbinden, ein Komplott schmieden’ (16. Jh.), nach lat. coniurāre ‘sich eidlich verbünden’ und daher anfangs entsprechend sich zusammen verschwören ‘geloben, etw. (nicht) zu tun’; ahd. firswer(i)en ‘falsch schwören’ (9. Jh.), mhd. verswern ‘falsch schwören, sich durch Eid lossagen, eidlich geloben, versichern (etw. nicht zu tun)’, im Sinne von verstärktem schwören. Verschwörer m. ‘Teilnehmer an einer Verschwörung’ (Anfang 19. Jh.); mhd. verswerer ‘wer sich von einem durch Eidschwur lossagt’. Verschwörung f. ‘Komplott’ (17. Jh.); vgl. ahd. firswerunga ‘Beschwörung, Meineid’ (Hs. 12. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Feind Führer Gemeinschaft Gott Islam Nation Natur Rest Schicksal Sturz Taliban Terrororganisation Teufel Umstand Volk Welt Wetter ihr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschwören‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Obwohl alle das gleiche Schicksal teilen, bilden sie keine verschworene Gemeinschaft.
Die Zeit, 10.01.2011, Nr. 02
Auch da schien sich anfänglich alles gegen ihn verschworen zu haben.
Süddeutsche Zeitung, 16.04.1994
Also hier könnten höchstens der Führer und ich uns verschworen haben.
o. A.: Vierundachtzigster Tag. Montag, 18. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 2029
Aber was versuche ich wiederum Worte, die ich verschworen habe!
Hofmannsthal, Hugo von: Ein Brief. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1902], S. 29240
Dem Widerspruch gegen alle und alles verschworen, wurde die Tochter sehr kühn.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 449
Zitationshilfe
„verschwören“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://m.dwds.de/wb/verschwören>, abgerufen am 12.11.2019.

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